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Sucht hat viele Gesichter | Münsterländische Volkszeitung - Nachrichten
 







Sucht hat viele Gesichter

„Alles o.k.?“, scheint Sozialpädagogin Annette Just Schüler Leo Horstmann zu fragen, nachdem er die Suchtmaske aufgesetzt hat.Foto:
„Alles o.k.?“, scheint Sozialpädagogin Annette Just Schüler Leo Horstmann zu fragen, nachdem er die Suchtmaske aufgesetzt hat.Foto:
(na)


Münster-Hiltrup - „Es ist ein ganz komisches Gefühl, irgendwie unecht“, sagt Leo Horstmann, Schüler der 8. Jahrgangsstufe des Immanuel-Kant-Gymnasiums. Er blickt durch eine rote Brille , ähnlich einer Taucherbrille - doch diese Brille hat ganz andere Eigenschaften. Sie ruft Wahrnehmungsstörungen hervor, gaukelt sie doch durch ihre Konstruktion dem Körper vor, er habe zwischen 1,0 und 1,2 Promille Alkohol im Blut. Ein Balancieren auf einer Linie - mit dieser Suchtmaske fast ein unmöglicher Akt, eine Erfahrung, die auch Mitschüler von Leo gestern beim Projekttag der 8. Klassen zum Thema „Voll ist out“ machten.

In Zusammenarbeit mit der Fachstelle für Suchtvorbeugung, angesiedelt beim Amt für Kinder, Jugendliche und Familien, führte das Kant-Gymnasium unter Federführung von Lehrerin Jutta Stadtler gestern diese Aktion durch. An einem ganz bewussten Zeitpunkt, wie Brigitte Klute von der Fachstelle für Suchtvorbeugung betonte. Kurz bevor der Karneval und der damit oft unvermeidlich verbundene Alkoholkonsum richtig beginnt, sollen die Jugendlichen noch einmal besonders sensibilisiert werden.


Doch Sucht hat viele Gesichter, ist nicht nur auf Alkohol, Drogen oder Zigaretten beschränkt, sondern zeigt sich an vielen anderen Stellen im Lebensalltag.

So finden sich im Suchtrucksack, aus dem Brigitte Klute die Schüler einzelne Gegenstände nach und nach herausfischen lässt, auch Putztücher. Putzen könne sich durchaus zu einer Sucht entwickeln, könnte in letzter Konsequenz durchaus zu einer verstärkten Isolation führen, erläutert die Frau von der Drogenhilfe. Waren hier die Eigenerfahrungen bei den Schülern noch nicht so ausgeprägt, rief die Computermaus jedoch vielfältige Assoziationen hervor. Von dem völligen Rückzug eines Familienmitgliedes in die eigene Computerwelt berichtete eine Schülerin, von drohendem Realitätsverlust eine andere. Die Parallele zum Alkohol zog Klute. „Je einfacher die Verfügbarkeit, desto größer ist in beiden Fällen die Gefahr der Abhängigkeit, der Sucht“, sagt sie und blickt auf eine kleine Flasche Kräuterlikör. Gerade in diesem Format, so bestätigen auch die Schüler, sei dieses Getränk beliebt bei Jugendlichen. Es wird aber vielleicht bei den Kant-Schülern nach dem gestrigen Projekttag mit kritischerem Blick gesehen.


03 · 02 · 10



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