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Familienvater finanzierte Kokainsucht: Schlecker-Räuber führte Doppelleben

VON WULF KANNEGIESSER - zuletzt aktualisiert: 27.01.2010 - 16:15

Düsseldorf (RPO) Mit einer Serie von Überfällen auf Drogeriemärkte hatte ein 36-jähriger Taxifahrer 2009 wochenlang die Ermittler in Atem gehalten. Vor dem Landgericht räumte er heute acht Einzelfälle ein und einen Überfall auf ein Hotel. Von der Beute habe er seine Kokainsucht finanziert.

Ein 36-jähriger Taxifahrer steht wegen acht Überfällen auf Schlecker-Filialen vor Gericht. Foto: ddp
Ein 36-jähriger Taxifahrer steht wegen acht Überfällen auf Schlecker-Filialen vor Gericht. Foto: ddp

Seine Lebensgefährtin glaubte, er sei beim Nachhausekommen regelmäßig betrunken, hielt ihn für einen harmlosen Alkoholiker. Sein Chef glaubte, er sei ein fleißiger Taxifahrer, der jahrelang auch noch unfallfrei unterwegs gewesen ist. Doch in Wahrheit führte der 36-jährige Familienvater ein kriminelles Doppelleben. Erst durch einen anonymen Hinweis flog er Ende August 2009 auf: Der 36-Jährige war schwer kokainsüchtig und hat als Serienräuber reihenweise Überfälle auf Schlecker-Märkte begangen und die Ermittler wochenlang in Atem gehalten. Auch ein Hotel am Fürstenplatz raubte der stämmige Mann aus, wie er gestern zu Prozessbeginn vor dem Landgericht zugab. „Aber das war alles nicht vorgeplant”, sagte er halblaut.

Abends musste seine Kasse stimmen. „Ich musste beim Taxiunternehmer täglich in bar abrechnen.” Damit beschrieb der Angeklagte nicht bloß seine Arbeitsbedingungen, sondern zugleich auch sein großes Dilemma. Weil er nämlich täglich bis zu 150 Euro für Kokain, Marihuana und Alkohol brauchte, was von 1300 Euro Taxifahrer-Lohn unmöglich zu finanzieren war, sei er eben zum Räuber geworden. Unter Alkohol- und Drogeneinfluss kutschierte er tagsüber also nicht nur seine Fahrgäste quer durch die Stadt („Unfallfrei, Gott sei Dank!”), sondern versorgte sich auch mit Rauschmitteln. „Ich war ja vormittags schon voll auf Droge.” Und zur Finanzierung versuchte er sich erst an Spielautomaten. Als das misslang, suchte er reihenweise Drogeriemärkte heim.

„Eigentlich wollte ich etwas kaufen.” Aber im Rausch habe er innerhalb von neun Wochen in mindestens acht Fällen die Verkäuferinnen bedroht, habe sie mit vorgehaltenem Messer zum Öffnen der Kasse gezwungen. Und wenn auf Anhieb nicht genug Geld zu finden war, hat er oft noch den Kasseneinsatz angehoben ­ und auch jene Geldscheine erbeutet, die darunter versteckt waren. Zwischen 210 und 1200 Euro fielen ihm in die Hände.



Die überfallenen Kassiererinnen machten gestern im Zeugenstand keinen Hehl aus ihrem Frust über unzureichende Sicherheitsvorkehrungen in den Drogeriemärkten, wo sie sich einfach nicht genug geschützt fühlten. Doch auch in einem Hotel hatte der Angeklagte seinen Beutezug fortgesetzt. Ein Angestellter zertrümmerte dabei zwar einen Stapel Teller auf dem Kopf des Räubers, aber trotzdem konnte der 36-Jährige im August 2009 mit 500 Euro Beute entkommen.

Und doch reichte das erbeutete Geld nicht aus. Noch heute habe er „bestimmt 20.000 Euro” Schulden. Anfangs habe er seine Drogen bei den Lieferanten ja noch bezahlt. „Später bekam ich Marihuana und Kokain aber auch auf Pump. Und dann kam der Zeitpunkt, da wollten die Leute das Geld dafür haben.” Im Klartext: Wäre der 36-Jährige anhand eines Phantombildes nicht erkannt und von einem Unbekannten bei der Polizei gemeldet worden, dann hätte er weiter rauben müssen. Und während er anfangs zusätzlich noch Bier getrunken hatte, sei ihm das wenig später „wie Wasser vorgekommen. Ich trank dann Kräuterlikör oder Wodka. Pur natürlich.”

Zum Verhängnis wurde ihm aber offenbar auch sein Hang zur Prahlerei. Im Bekanntenkreis soll er sich nämlich mit seinen Überfällen noch gebrüstet haben. So stammt der Hinweis, der Ende August zur Festnahme des Angeklagten geführt hatte, vermutlich von einem seiner Kumpane. Im Prozess soll ein Gutachter nun prüfen, ob der 36-Jährige bei seinen Beutezügen womöglich durch Alkohol oder Drogen nur eingeschränkt schuldfähig gewesen sein könnte. Die Verhandlung wird am 12. Februar fortgesetzt.



 
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Autor: saint-just | 27.01.10 22:29 (1/1)
So oder so schlecht kalkuliert.
Auch mit regelmäßigen Schlecker-Überfällen ließe sich fortgeschrittener Kokain-Konsum dauerhaft kaum finanzieren, dazu liegt schlicht zu wenig Geld in den Kassen der schlecht frequentierten...
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